Ein Orkan kommt auf

Mir ist bewusst, dass es für einige nicht nachvollziehbar sein wird, wieso mich diese Situationen so sehr belasten, deswegen versuche ich so gut ich kann meine Ansicht der Dinge und meiner damit verbundenen Gefühlslage zu erläutern, sodass es vielleicht nicht nachvollziehbar ist, aber vielleicht verständlich.

Mitte Januar begann die Beziehung bei zwei Freunden von mir problematisch zu werden. Die beiden haben es natürlich nicht ausgesprochen und wollten zuerst nicht mit der Sprache rausrücken, doch man merkte die Anspannung in der Luft und beide konnten mir nur schwer etwas vor machen.

Ich hatte die beiden vor zweieinhalb Jahren einander vorgestellt und deswegen fühlte ich mich verantwortlich dafür die beiden bei ihrer Krise zu unterstützen.

Ich unterhielt mich mit J. und C. und versuchte ihre Sichtweisen zu verstehen, doch das war nicht das Problem, denn ich konnte ihre Sichtweisen mehr als verstehen. Die Probleme, die J. mir schilderte hatte auch ich im Jahr davor mit meinem Mann.
C. räumte mir gegenüber seine Fehler ein, aber sein Argument „Solange noch Gefühle da sind und vor allem die Liebe sollte man kämpfen.“ war das selbe, das auch ich mir letztes Jahr immer wieder selbst vorhalten musste, um meine Beziehung nicht aufzugeben, weswegen ich auch seine Argumentation verstand.

Ich stand also zwischen zwei Türen. Letztendlich ging es nach seinem zweiwöchigem Kampf doch zu Ende. So hatte sie entschieden.

Mir ging es beschissen damit. Unlogisch.
Nicht meine Beziehung. Doch genau zu diesem Zeitpunkt wütete bereits ein Sturm. Die Belastung, welche ich mir selbst auferlegt hatte, traf auf einen bereits wütenden Sturm und entwickelte sich zu einem Orkan.
Mir ging es beschissen. Logisch.

Ich habe lange und verheulte Telefonate geführt. Auch bei mir Zuhause blieben seine Augen nicht trocken.
Auch meine Augen blieben nicht trocken. Doch niemals zeigte ich das den beiden. Meine wahren Gefühle? Schwach werden? Nein! Ich bin stark. Für die beiden, wenn sie es nicht können. Ich muss.

Mein Fehler war, so denke ich, meine eigene Beziehung mit deren Problematik zu vergleichen – Sie beschwert sich über mangelnde Aufmerksamkeit, ich beschwerte mich damals über mangelnde Aufmerksamkeit. Er ist der Meinung, solange man jemanden Liebt, kämpft man und das war auch mein Anker in der problematischen Zeit mit Max. Durch diese präsente Problematik fing ich auf’s Neue an meine Ehe zu hinterfragen. An diesem Punkt begann dann der Tornado..

Natürlich versuchte ich weiterhin, um zwischen den beiden vielleicht doch weiterhin vermitteln zu können, die neutrale Person zu sein, die Schweiz. Und gleichzeitig wollte ich doch die Freundin sein, die beide an mir vor der Beziehung hatten. Die Freundin, an der man den ganzen Frust der Beziehung ablässt, die Freundin, die sich verbündet und gemeinsam mit an der Front gegen den anderen steht. Wie gern wäre ich diese Freundin für beide gewesen. Ich wollte alles richtig machen, für die beiden, aber auch für mich und die damit verbundenen Freundschaften. Die Balance dabei zu finden und zu halten war ein Akt, der mir am Ende nicht mehr leicht fiel, denn desto mehr Zeit verging, desto mehr Dinge passierten, desto mehr Sachen gesagt wurden, umso schwerer viel mir meine Rationalität. Ich merkte, wie ich eine Tendenz zu einer Seite entwickelte und ich hasste mich selbst dafür. So war das nicht geplant. Und denn meine Prüfung würde noch bevorstehen.

Wir hatten uns nämlich zu dritt darauf geeinigt ein abschließendes Gespräch zu führen. Wie in einer Talkshow oder vielleicht vergleichbarer – eine Paartherapie.
Wenn ich an dem Tag keine neutrale Herangehensweise mehr haben würde, würde ich im schlimmsten Fall beide verlieren…

Aus dem Gespräch ging ich mit gemischten Gefühlen heraus. Auf der einen Seite fühlte ich mich gut, denn ich glaubte, dass ich meine Sache gut gemeistert hatte, weil ich dachte, dass ich doch neutraler bleiben konnte als vorher angenommen. Und auf der anderen Seite war ich natürlich enttäuscht. Enttäuscht von mir selbst. Enttäuscht darüber, dass ich nicht in der Lage dazu war, stark genug für beide zu sein und die Beziehung retten zu können.

Denn immerhin hatte ich die beiden damals einander vorgestellt und fühlte mich deswegen in dieser schweren Zeit verantwortlich für ihr zukünftiges und hoffentlich gemeinsames Glück..

Am deprimierendsten war es aber, dass ich durch den Sturm so emotional anfällig geworden war, dass ich den Frust, die Trauer, die Wut und all die anderen negativen Gefühle wie ein Schwamm in mir aufsog und sich durch diese Tatsache der Sturm in meinem Kopf zu einem Orkan entwickelte.

Dies ist der zweite von mehreren Faktoren, welche mich momentan beschäftigen und wahrscheinlich schuld an meinem momentan emotionalen Tief sind.

Über einen weiteren Faktor möchte ich beim nächsten Mal schreiben, damit ich mich nicht auf einmal mit all dem auseinandersetzen muss, um einem Heulkrampf zu entgehen.

Ich hoffe auf Verständnis.

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